Schriftzug Psychologie München, Dr. Jane E. Dum

Substanz-Abhängigkeiten, Verhaltensabhängigkeit und Essstörungen

Substanz-Abhängigkeiten: Ich habe viel Erfahrung in der Behandlung von Suchtkrankheiten und Essstörungen. Obwohl Drogenentzug meistens den Aufenthalt in einem Krankenhaus oder einer Fachklinik erfordert, können viele Aspekte Substanz-Abhängigkeiten, wie Alkoholismus, am besten im Rahmen einer privaten Praxis behandelt werden. Alkoholismus ist nicht nur ein Problem von Außenseitern der Gesellschaft, sonder auch eins von vielen Professionellen, von Geschäftsmännern und Frauen und von Hausfrauen. Diese Leute können alle von einer Behandlung außerhalb der Klinik profitieren, welche die Störung und Peinlichkeit, die sich sonst mit einer stationären Behandlung verbindet, vermeidet. Ohne Behandlung ist Alkoholismus eine progressive Krankheit. Deswegen ist es äußerst wichtig, dass Menschen, die ein Problem mit Alkoholüberkonsum haben, eine flexible und leichtzugängliche Hilfe und Unterstützung finden können. Bei Drogenabhängigkeit ist ambulante Therapie hilfreich und häufig notwendig nach einem Klinikaufenthalt um Fortschritte zu behalten und weiter aufzubauen.

Ich habe mein Grundwissen von Suchtkrankheiten bei Forschung in Neuropharmakologie während acht Jahren am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München und bei der Behandlung von Alkoholikern und Drogenabhängigen bei der Beratungsstelle des Amerikanischen Militärs in München (McGraw Kaserne) erworben. Integrative Therapie (Affektiv-Kognitiv-Verhaltenspsychotherapie), die in der Behandlung von anderen psychischen Störungen sich als sehr effektiv gezeigt hat, ist auch in der Behandlung von Substanz-Abhängigkeiten sehr nützlich. Nach dieser Methode lernen Betroffene, während ihrer fortlaufenden Genesung, neue Denk- und Verhaltensweisen, die ihnen erlauben besser mit negativen Gefühlen, wie z. B. Stress, Langeweile, Wut und Einsamkeit, umzugehen, oder sich zu vergnügen, die wenig oder gar nichts mit Alkohol oder Drogen zu tun haben. Raucherentzug kann innerhalb diesem weiten Kontext auch gesehen und verstanden werden.

Essstörungen: Gleichermaßen behandle ich auch viele Patienten, die an Essstörungen leiden, wie Essattacken ("Bing Eating Disorder", BED), Anorexie und Bulimie. Die Störungen haben unterschiedliche Ursachen und werden unterschiedlich behandelt. Bulimische Patienten können riesige Mengen in sich futtern, die sie meistens anschließend hoch würgen (loswerden). Das Loswerden entlastet sie von der Fürcht zuzunehmen, aber der Drang sich zu überessen kommt wieder. Bulimie fängt häufig mit Heißhunger-Attacken nach einer Diät an. Die Ursache von Essattacken und das Überessen im Allgemeinen ist nach neuesten Erkenntnissen anders. Attacken entwickeln sich nicht unbedingt im Zusammenhang mit einer Diät oder sogar dem Wunsch abzunehmen. Stattdessen, aktiviert das Essen Belohungssysteme im Gehirn, die unbequeme Gefühle, wie Angst, Einsamkeit, Traurigkeit, Wut, Langeweile, oder Gefühle von Leere oder Bedeutungslosigkeit, unterdrücken und angenehme Gefühle, wie Behaglichkeit, Sicherheit und Zufriedenheit, anregen. Suchtverhalten ähnlich, wird es oft emotionelles Essen genannt und erscheint meist in Verbindung mit niedrigem Selbstwertgefühl und gestörtem Körpergefühl. Auf viele Weise ähnelt auch die Behandlung vom Überessen der vom Suchtverhalten, außer dass man das Essen nicht wie andere Suchtmittel aufgeben kann.

Im Gegensatz zu Menschen mit Essattacken zeichnen sich anorexische Patienten durch Unterernährung und niedriges Gewicht aus. Leute, die unter dieser Störung leiden, zeigen große Ähnlichkeiten mit Zwangsneurotikern, die sich auf den Kampf gegen Körperfett spezialisiert haben. Sie leiden unter der Angst zuzunehmen und meinen oft erstaunlicherweise, dass sie zu dick sind. Dünn bleiben zu müssen spiegelt ihre Wertvorstellungen wieder und bildet ein wichtiges Teil ihres Selbstwertgefühls und ihrer Identität. Deswegen ist die Krankheit, so gefährlich sie auch ist, sehr schwer zu bekämpfen. Die Häufigkeit ist höher unter jungen Frauen, aber wächst auch unter jungen Männern. Die Behandlung zeigt Parallelen zur Behandlung von Zwangserkrankungen, aber erfordert ein medizinischer Eingriff, wenn niedriges Körpergewicht Gewicht lebensbedrohlich wird.

Verhaltensabhängigkeiten: Zu den Substanz-Abhängigkeiten und Essstörungen kommen auch Verhaltensabhängigkeiten, die nicht mit der Einnahme von einem Substanz verbunden sind, sondern mit einer krankhaft übertriebenen Verhaltenweise, wie mit übertriebenem Spielen (Spielsucht), übertriebenem Kaufen (Kaufsucht), übertriebener sexueller Tätigkeit, oder übertriebenem Internetverbrauch (Internetsucht), zusammenkommen. Verhaltensabhängigkeiten besitzen Suchtcharakter, weil sie schwer abzulegen sind, selbst wenn sie das normale Leben stark stören. Sie können mit integrativer Psychotherapie erfolgreich behandelt werden. Eine andere Verhaltensweise, welche zwar eher soziale Akzeptanz geniest, aber die Gesundheit gefährdet, ist das Rauchen, welches sowohl eine Chemische- wie auch eine Verhaltensabhängigkeit darstellt. Selbst das kauen von Nikotin-Kaugummi, welches das Nikotin von Zigaretten ersetzen kann, ist nicht allein ausreichend, um das Rauchen aufgeben zu können; viele Menschen können, trotz körperlichen Entzugserscheinungen, wie Nervosität, Verspannung und erhöhter Reizbarkeit, das Rauchen selbstständig, ohne Nikotinersatz und auf eigene Faust, aufgeben. Verhaltenstherapie kann die Bemühungen des Einzelnen unterstützen. Die Zusammenfügung von Nikotin-Ersatztherapie und Psychotherapie garantiert die besten Erfolgschancen bei Raucherentwöhnung.

Co-Abhängigkeit: Ohne in die Tiefe über ein kompliziertes und wichtiges Thema zu gehen, sollten hier noch ein paar Worte über das Leiden von Menschen, die in Beziehungen zu Menschen mit Suchtverhalten oder psychischen Störungen leben erwähnt werden. Die meisten Leute finden das Glück im Lieben und im Geliebt werden. Für Kinder von Eltern mit Alkohol-Problemen oder mit anderen Funktionsstörungen, kann Liebe Schmerz und ein Leben ohne Gewinnchancen bedeuten. Unzufriedenheit als Erwachsener ist häufig direkt mit Kindheitserlebnissen bei abhängigen oder psychisch-gestörten Eltern verbunden, obwohl die Verbindung nicht immer leicht zu entdecken ist. Ein Co-Abhängiger ist jemand, der emotionell depriviert ist, d. h. er ist beraubt seines soliden Selbstwertgefühl, einem Gefühl von Sicherheit und der Fähigkeit Spaß zu haben. Beim Erwachsenen besteht eine Tendenz Unerträgliches zu ertragen. Bei der Anstrengung Menschen, die sie lieben, zu helfen, zu schützen und gar zu retten, fühlen sie sich wie ausgelaugt und erschöpft; unbewusst unterstützen sie nicht selten durch ihrer gut gemeinte Fürsorge das gestörte Verhalten. Dadurch fühlt der Co-Abhängiger sich verletzt und oft machtlos und geschlagen.

Typische Merkmale sind: Eigene Abhängigkeiten und Verhaltenszwänge (wie Zwangsessen, Alkoholismus, Überarbeiten, Überverantwortlichkeit, Überfürsorglichkeit oder chronische Negativität und oppositionelles Benehmen gegenüber anderen); Selbsttäuschung, basiert auf Leugnung, fehlender Selbstkenntnis, der Glaube, dass das Glück von anderen ihre eigenes bedeuten müsste, der Glaube, dass das normal sei; unterdrückte Gefühle; niedrige Selbstwertgefühl; erhöhte Stress-Empfindlichkeit.

Co-Abhängigkeit ist gut behandelbar. Leute, die darunter leiden, können neue Bewältigungsmethoden lernen.



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